Erzgebirgskammweg: Olbernhau bis Altenberg
10.08.2026 · Erzgebirge · Reisetipps · Trekking · Tschechien · Wandern · Wandertouren
Drei Tage auf dem Erzgebirgskammweg von Olbernhau nach Altenberg, einmal über die Grenze nach Tschechien und wieder zurück. 54,9 Kilometer, 1.637 Meter Aufstieg, 1.338 Meter Abstieg. Zu zweit, mit je rund 9,5 Kilo auf dem Rücken.
Erzgebirgskammweg: Olbernhau bis Altenberg
54,9 km ↑ 1643 m↓ 1350 m 50:11 h 473–906 m
Die längste Etappe zuerst, und das mit Mittagsstart. Auf dem Papier sieht das nach schlechter Planung aus. Es war Absicht — und es ging auf.
Drei Tage auf dem Erzgebirgskammweg von Olbernhau nach Altenberg, einmal über die Grenze nach Tschechien und wieder zurück. 54,9 Kilometer, 1.637 Meter Aufstieg, 1.338 Meter Abstieg. Zu zweit, mit je rund 9,5 Kilo auf dem Rücken.

Die Tour auf einen Blick
| Tag 1 | Tag 2 | Tag 3 | |
|---|---|---|---|
| Strecke | Olbernhau – Kreuztanne | Kreuztanne – Moldava | Moldava – Altenberg |
| Kilometer | 22,1 | 18,9 | 13,9 |
| Aufstieg | 822 m | 493 m | 322 m |
| Höchster Punkt | Schwartenberg, 785 m | 788 m | Kahleberg, 905 m |
| Land | Deutschland | Deutschland → Tschechien | Tschechien → Deutschland |
| Aufbruch | 11:09 Uhr | vormittags | vormittags |
| Ankunft | 19:08 Uhr | 20:17 Uhr | 13:23 Uhr |
Gesamt: 54,9 km · 1.637 hm Aufstieg · 1.338 hm Abstieg · 3 Tage · 2 Nächte Start: Olbernhau (50.6494, 13.3692) · Ziel: Altenberg (50.7621, 13.7532) Anreise: mit dem ÖPNV nach Olbernhau · Rückfahrt: Bahn ab Altenberg nach Dresden
Tag 1 — Olbernhau zur Kreuztanne
22,1 Kilometer und 822 Höhenmeter, losgegangen sind wir gegen Mittag. Der halbe Tag musste reichen.
Aus dem Tal heraus zieht der Weg stetig nach oben. Kein Steilstück, das einen zum Stehenbleiben zwingt — die Stöcke blieben den ganzen Nachmittag eingeklappt und kamen erst im letzten Drittel raus.

Gegen vier Uhr die Schwartenbergbaude, 785 Meter, höchster Punkt des Tages. Oben offen und windig. Man sieht, wofür man die Höhenmeter gemacht hat.


Dann der Abstieg, ein schmaler Pfad durch hohes, schon trockenes Gras. Unten ein Ort mit Kirchturm zwischen den Hügeln. Solche Stellen mag ich am Kamm am liebsten: Weitsicht, ohne dass gleich Drama daraus wird.

Der Ort ist Neuhausen, und wer ihn kennt, weiß warum wir stehen geblieben sind. Hier steht das Nussknackermuseum, und der Ort trägt sein Handwerk nach draußen: In einem Vorgarten am Weg stehen die Bergmänner in Reih und Glied, mannshoch, frisch lackiert.


Eine Stunde später steht der Schwartenberg schon wieder am Horizont, klein, mit dem Turm obendrauf. Von hier sieht der Nachmittag nach mehr aus, als er sich angefühlt hat.

19:08 Uhr an der Kreuztanne. Der Kocher blieb, wo er war. Zwei Bier, ein Cordon Bleu. Nach 22 Kilometern mit Mittagsstart nenne ich das eine vernünftige Entscheidung.

Tag 2 — über die Neugrabenflöße nach Moldava
18,9 Kilometer, 493 Meter Aufstieg. Nach dem Auftakt ein Tag, der einem entgegenkommt: viel Wald, weiche Wege, Kilometer, die vergehen, ohne dass man sie zählt.
Mitten im Wald dann ein gemauerter Wasserlauf, schnurgerade, kaum Gefälle. Das ist die Neugrabenflöße — und sie ist der interessanteste Umweg der ganzen Tour.


Gebaut wurde der Graben zwischen 1624 und 1629, rund 18 Kilometer lang, von der Flöha bis zur Freiberger Mulde. Er hatte genau einen Zweck: Holz. Der Bergbau um Freiberg fraß Holz in Mengen, die kein Fuhrwerk mehr herangeschafft hätte — also ließ man es schwimmen. Bis 1823 die Freiberger Hütten auf Steinkohle umstellten.
Heute läuft ein grenzüberschreitender Lehrpfad daran entlang. Man geht neben etwas her, das vierhundert Jahre alt ist und immer noch Wasser führt.


In Holzhau dann das, was ich an dieser Gegend mag: Da hat jemand seinen Gartenzaun aus alten Skiern gebaut. Bunt lackiert, über die ganze Grundstücksbreite.


An dem Tag waren überall Tagpfauenaugen auf dem Jakobskreuzkraut. Ich habe irgendwann aufgehört zu fotografieren, es wurden trotzdem acht Bilder.



Hinter Holzhau geht es auf die Grenze zu. Zwei Holztafeln stehen am Weg, tschechische und deutsche Flagge nebeneinander — mehr passiert nicht. Man läuft weiter und ist in einem anderen Land.

Tag 3 — Kahleberg und zurück über die Grenze
Die kürzeste Etappe, 13,9 Kilometer, 322 Meter Aufstieg — und trotzdem der höchste Punkt der ganzen Tour.

Zurück nach Deutschland geht es an einer Straße, und der Übergang ist genau so unspektakulär, wie er sein sollte: ein blaues Schild, ein Auto, fertig.

Eine halbe Stunde später Zaunhaus — ein einzelnes altes Haus am Weg mit einer Tafel davor, das seinen Namen einer Zeit verdankt, in der hier eine Grenze wirklich eine Grenze war.


Dann der Kahleberg. Ein Bergtag, aber ein sehr erzgebirgischer: Die Höhenmeter kommen verteilt, nicht am Stück. Erst ganz oben wird es steinig.


905 Meter. Der Gipfel ist offen und steinig, eine Blockhalde fällt nach Norden ab, und dahinter liegt Wald bis zum Horizont mit den Wasserflächen bei Altenberg darin.
Und oben ist bewirtschaftet. Der Linseneintopf ist zu empfehlen — nach drei Tagen Kamm ohnehin, aber auch sonst.


13:23 Uhr in Altenberg, und von dort mit der Bahn zurück nach Dresden. Wenn eine Tour so endet, muss man am letzten Tag nichts erzwingen.

Was wir anders machen würden
Die Aufteilung war ungewöhnlich und sie ging auf: die lange Etappe zuerst, mit Mittagsstart, dann der ruhige Mitteltag, zum Schluss die kurze Etappe mit dem höchsten Punkt. Wer am dritten Tag noch 22 Kilometer vor sich hat, geht den Kahleberg anders an.
Der ehrliche Schwachpunkt war das Gepäck — genauer: das Schlafsystem. Was wir getragen haben und wo die Kilos wirklich stecken, steht im Tourenbuch auf outdoor.gift. Hier geht es um den Weg.
Häufige Fragen
Wie lange braucht man für den Erzgebirgskammweg von Olbernhau nach Altenberg? Wir haben für die 54,9 Kilometer drei Tage gebraucht, mit Etappen von 22,1 / 18,9 / 13,9 Kilometern. In zwei Tagen ist die Strecke machbar, aber dann fällt alles weg, was sie ausmacht.
Wie viele Höhenmeter sind es? 1.637 Meter Aufstieg und 1.338 Meter Abstieg auf der gesamten Strecke. Der Aufstieg verteilt sich, es gibt keine Rampe, die einen zwingt anzuhalten.
Was ist der höchste Punkt? Der Kahleberg mit 905 Metern, am letzten Tag. Der höchste Punkt von Tag 1 ist der Schwartenberg mit 785 Metern.
Führt der Weg über die Grenze? Ja. Am zweiten Tag geht es hinter Holzhau nach Tschechien, am dritten bei Moldava zurück nach Deutschland. Beide Übergänge sind unbewacht — Schengen. Den Ausweis nimmt man trotzdem mit.
Wie kommt man zurück? Von Altenberg fährt die Bahn nach Dresden. Das ist einer der Gründe, warum diese Richtung sinnvoll ist: Man endet an einem Bahnhof, nicht an einem Auto.
Kann man unterwegs einkehren? Ja, an jedem Tag. Die Schwartenbergbaude liegt am höchsten Punkt von Tag 1, das Waldhotel Kreuztanne am Ende der ersten Etappe. Am dritten Tag ist die Hütte am Kahleberg bewirtschaftet — Linseneintopf empfohlen —, und in Altenberg gibt es Gastronomie. Am Grenzübergang auf tschechischer Seite steht eine Tankstelle mit Shop.
Eine Ausnahme: In Moldava haben wir nichts gefunden. Die frühere Pivka ist geschlossen. Wer dort ankommt, sollte etwas dabeihaben.
Wo bekommt man unterwegs Wasser? An den Gaststätten und in den Geschäften der Ortsdurchgänge — das reicht für die ganze Strecke, man muss nicht literweise schleppen. In Moldava haben wir Einwohner gefragt und durften auffüllen; dort gibt es außerdem eine Quelle. Oben auf dem Kamm selbst ist nichts, das plant man also an den Orten.
Wie kommt man zum Start nach Olbernhau? Mit dem ÖPNV. Die Tour funktioniert komplett ohne Auto: hin mit dem Nahverkehr, zurück mit der Bahn ab Altenberg.
Was sollte man unterwegs nicht verpassen? Die Neugrabenflöße zwischen Kreuztanne und Holzhau — ein 18 Kilometer langer Floßgraben von 1624 bis 1629, der heute noch Wasser führt. Und Neuhausen mit seinen Schnitzfiguren am Wegrand.
Wann ist die beste Zeit? Wir waren Ende Juli unterwegs. Das Gras stand hoch und trocken, und die Tagpfauenaugen waren überall. Der Kamm ist oben offen — bei Wind und Regen sieht die Sache anders aus.