Packrafting in Schweden - hin mit dem Rad, zurück auf dem Fluss
08.07.2022 · Alpacka · Flüsse · Packrafting · Schweden
Ein Packraft loest das Logistikproblem jeder Flussfahrt: Du traegst das Boot hin und paddelst zurueck. Drei Tage aus Dalarna und Haerjedalen 2021 — Schotterpiste, Stromschnellen ueber eiszeitlich geschliffenem Granit, ein spiegelglatter Waldsee und ein Rentier auf der Heimfahrt.
Das Problem mit dem Auto
Wer einen Fluss hinunterfährt, hat am Ende ein Problem: Das Auto steht dort, wo man eingestiegen ist. Zweites Fahrzeug, Shuttle-Service, Bus, Trampen — alles Aufwand, und alles kostet den halben Tag.
Ein Packraft dreht das um. Das Boot wiegt so wenig, dass du es trägst. Also trägst du es hin und paddelst zurück. Oder umgekehrt.

Das ist der ganze Trick, und in Schweden funktioniert er besser als fast überall sonst: Es gibt Wasser im Überfluss, Schotterpisten durch jeden Wald, und du bist selten jemandem im Weg.
Wie wir es gemacht haben
Auto ans Ziel. Mit dem Rad zum Start. Fluss hinunter. Am Schluss die Räder mit dem Bus holen.
Je nach geplanter Länge laufen wir oder fahren Rad. Am 26. Juni 2021 in Dalarna war es das Rad — das Boot im Rucksack, die Piste durch den Kiefernwald.


Unterwegs stand ein Fuchs auf der Straße und schaute zurück. Im Außenspiegel sieht man, wie schnell die Kamera oben war.

Aufblasen, einsteigen, los
12:12 Uhr. Das Boot kommt aus dem Rucksack und wird am Ufer aufgeblasen. Ohne Pumpe: Der Packsack ist der Blasebalg. Man fängt Luft ein, rollt den Sack zu und drückt sie ins Boot. Drei, vier Minuten, dann ist es fahrbereit.

14:25 Uhr, die erste Stromschnelle. Ein Packraft ist kurz, breit und dreht sich auf der Stelle — es verzeiht viel, und es geht über Steine hinweg, an denen ein Kajak hängen bliebe.


Was Schweden hier auszeichnet, sind die Felsen: rundgeschliffener Granit, seit der Eiszeit poliert, kaum scharfe Kanten. Das Wasser läuft darüber wie über eine Rampe.
17:23 Uhr, Rast unter einem Dach am Wasser. Solche überdachten Bänke stehen in Schweden an erstaunlich vielen Stellen, meistens mit einer Feuerstelle daneben und oft mit Holz, das schon jemand hingelegt hat.


Auf der Rückfahrt am Abend stand dann noch ein Rentier auf der Landstraße. Es hatte es nicht eilig.

Zu diesem Tag gibt es keine Koordinaten. Die Kamera, mit der wir unterwegs waren, schreibt keine mit — und wir haben nichts aufgezeichnet. Das ist der Preis dafür, dass man einfach losfährt.
Härjedalen: der stille See
Einen Tag später, 27. Juni, sah es völlig anders aus. Kein Fluss, kein Gefälle — ein Waldsee bei 62.310, 13.768, spiegelglatt, mit einem bewaldeten Bergrücken darin.


Auf so einem See ist ein Packraft ehrlich gesagt nicht das schnellste Boot — kurz und breit heißt auch: es läuft nicht. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass du überhaupt da draußen bist, weil das Boot eben im Rucksack lag.

Die Farben im Wasser sind keine Bildbearbeitung. Moorwasser ist braun, Sand ist hell, und dazwischen steht das Blau des Himmels.
Dalarna, noch einmal
1. Juli, 9:44 Uhr. Der Bus steht im Waldschatten am Fluss, das Rad hängt am Heck, auf dem Picknicktisch der Kocher. So sieht der Start aus, wenn man es nicht eilig hat.



Das zweite Bild sieht aus wie ein gestelltes Ausrüstungsfoto. Ist es nicht — das ist einfach die Stelle, an der wir ausgestiegen sind.

Die Ausrüstung
Zwei Alpacka Rafts, die wir seit 2011 haben. Fünfzehn Jahre, unzählige Flüsse, und sie tun es immer noch. Dazu Carbonpaddel — für Touren gut geeignet, für Wildwasser eine Spur zu lang.
Beim gleichen Aufbau kamen wir Jahre später an der Berounka auf rund sechs Kilo pro Person: Boot, Paddel, Packsack, Wasser, Handtuch. Das ist alles, was zwischen dir und einem Fluss steht.
Was Schweden dafür taugt
Wasser gibt es überall. Das ist keine Floskel — auf jeder Etappe kreuzt du Flüsse und Seen, und die meisten sind unverbaut.
Das Jedermannsrecht spielt dir in die Hände. Anders als beim Wohnmobil deckt es genau das ab, was du hier machst: zu Fuß, mit dem Boot, mit dem Zelt. Wo privat steht, bleibt man weg — der Rest ist erstaunlich offen.
Rastplätze und Feuerholz findest du an vielen Stellen von selbst, besonders in den Nationalparks. Streichhölzer reichen, du musst kein Holz mitschleppen. Bei Waldbrandgefahr gilt das natürlich nicht.
Die Mücken sind das eine echte Gegenargument. Ende Juni und im Juli kann es im Norden so schlimm werden, dass es den Tagesablauf bestimmt. Wie schlimm, steht im Roadtrip-Bericht — dort haben wir irgendwann aufgegeben und sind nach Norwegen gefahren.
Lohnt sich das? Für uns ist ein Packraft auf einem Roadtrip inzwischen selbstverständlich. Es wiegt fast nichts, es liegt im Bus, und wenn ein Fluss gut aussieht, ist man eine Viertelstunde später drauf. Keine Planung, kein Shuttle, keine Verabredung. Genau dafür ist es gebaut.